Ästhetische Forschungen über einen Ort
Spital für chronisch psychisch Kranke, Borsa / Rumänien
Anja Hellsterns ästhetische Forschungen über ein Spital für chronisch psychisch Kranke in Rumänien und ihre kunsttherapeutischen Begegnungen vor Ort berühren ein zentrales Anliegen kunsttherapeutischer Forschung und Theorie: Die Suche nach einer Beschreibbarkeit des komplexen Geschehens kunsttherapeutischer Prozesse in ihrer Verwobenheit von Bildern und Worten, ihrem Zusammenspiel zwischen ästhetisch-künstlerischer Erfahrung und therapeutischer Beziehung sowie ihrer Eingebundenheit in konkrete Lebensorte. Die Autorin findet Wege des Beschreibens und Bezeichnens, in ganz eigener Intensität und Form. Ihr selbstreflexives Nachdenken über das kunsttherapeutische Arbeiten und die zutiefst berührenden Erfahrungen vor Ort erfolgt in einer mehrteiligen Annäherung an das unbeschreibbar erscheinende Geschehen in Borsa.
Anja Hellstern verbindet forschend Lebenswirklichkeit, Kunst und Therapie. Die Fremdheit der rumänischen Sprache öffnet ihr dabei den Raum für andere Sprach- und Erkenntnisformen. Ästhetische Erfahrung als Basis ihrer Untersuchungen wird zur Erkenntnismethode. Darin liegen Anknüpfungspunkte an aktuelle Konzepte künstlerischen und wissenschaftlichen Forschens, insbesondere an das Konzept der Ästhetischen Forschung von Helga Kämpf-Jansen. War dieses bislang eher in kunstpädagogischen Diskursen verortet, eröffnet die vorliegende Arbeit nun den Blick auf die Potentiale, welche ihm im kunsttherapeutischen Kontext erwachsen. Sie setzt damit wichtige Impulse für eine neue Vorgehensweise spezifisch kunsttherapeutischer Forschung.
Anja Hellstern
Dipom-Kunsttherapeutin (FH), Studium an der Hochschule für Kunsttherapie Nürtingen, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Seit 2006 tätig als Kunsttherapeutin an der Universitätsklinik Tübingen.
